Samstag, 06. Februar 2016
Whiskydenker

Bild: Peter Groth mail@peter-groth.deBild: Peter Groth mail@peter-groth.de
Whiskydenker
Grammophonesk scheppernder Swing – rotzig und musikalisch 1a kunstvoll geschrammelt, geknarzt, getrötet und gegrowlt. Und zwar auf deutsch. Das ist wieder Jazzmusik, zu der die Arbeiterklasse mit der Kulturelite eine flotte Sohle auf's Parkett legen kann. Hier besinnt man sich darauf zurück, was Swing eigentlich sein sollte: tanzbar, geradeheraus und unterhaltsam. Mischt man nun noch eine gehörige Portion Straßenkötercharme, Ballhausatmosphäre, Garagenbandattitüde und musikalische Unverfrorenheit bei, kann man sich ganz gut vorstellen wie Whiskydenker klingen. «Die ham dit jewisse avec» könnte der Berliner sagen. Und das kommt nicht von ungefähr, sondern von 4 Musikern, die sehr häufig wissen was sie tun und dies dazu ausgefallen instrumentieren: Gesang und Trompete, Banjo, Schlagwerk – und der Bass bläst aus dem Tubax, einem monströsen Bastard aus Saxophon und Tuba.
Die Whiskydenker präsentierten sich als jazzhandwerkliche Meister, die es verstehen, neben guter Musik auch eine gehörige Portion Humor auf die Bühne zu bringen. Besonders Flo Wehse erwies sich als echter Entertainer mit Herz und Schnauze, der – abgesehen von der Musik – offenbar nichts und niemanden so richtig ernst nimmt.
Die Band erscheint wie ein Filter, der alle möglichen Einflüsse in sich aufgenommen hat, und sie, nach einer gründlichen Wiederaufbereitung, zur Weiterverwendung ausspuckt. Da sind Schnittmengen mit zeitgemäßen Bands und Stückeschreibern, gleichzeitig aber auch der Rückgriff auf traditionelle Jazzspielarten und die vielen lustig-(w)irren Textpassagen, die oft ein wenig an die Überväter der Berliner Anarcho-Kabarettisten-Szene „Insterburg & Co“ erinnern.
– Hans Kraus, Rheinpfalz –
Artist
Whiskydenker
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